Tuesday, 30. January 2007

Fernwirkung verschont Lebensgemeinschaften an der Quelle

Autor: Julian Gutt

Das Kalben von Tausenden von Eisbergen vor wenigen Jahren hat im Larsen A/B Gebiet zwar wohl die Fauna am Meeresboden nicht großräumig gestört, wohl aber viel weiter nördlich davon, wo die gekalbten Eisberge mit großer...

Seescheiden (Foto: Julian Gutt)

Schlangensterne u. Seesterne (Foto: Julian Gutt)

Schwämme (Foto: Julian Gutt)

 

Wie wir schon früher berichteten, hat offensichtlich das Kollabieren des Larsen A und B Schelfeises in derselben Region am Meeresboden keinen großen Schaden angerichtet. Um aber die Besonderheit des Lebens unter dem Schelfeis richtig bewerten zu können, mussten wir auch ein Gebiet ohne den speziellen Einfluss des Schelfeises untersuchen. Am Ende unserer Stationsarbeiten waren wir in der glücklichen Lage, zwei entsprechende Kernstationen bei Seymour und Paulet Island, ungefähr 150 Seemeilen von Larsen A/B entfernt, beproben zu können. Auf Grund meiner Erfahrung mit den Tieren am Meeresboden im östlichen Weddellmeer kann ich feststellen, dass hier die Lebensgemeinschaften nahezu komplett und dauerhaft von strandenden Eisbergen beeinflusst sind. Bei Wassertiefen von weniger als 200 Metern gibt es ganz überwiegend Tiere, von denen wir wissen, dass sie recht schnellwüchsig sind und zu den Erstbesiedlern von Eisbergkratzern gehören. Das sind ganz bestimmte buschförmige Schwämme und die uns schon gut bekannten Seescheiden. Dazwischen gibt es immer wieder Strukturen, die erkennen lassen, wie Eisberge das Sediment zusammengeschoben haben. Solche erst kürzlich gestörten Areale werden zunächst von beweglichen Tieren wiederbesiedelt, wie z.B. Schlangensternen und verschiedenen Seesternen. In etwas größerer Tiefe hatte die Fauna Zeit, sich zu einer ausgeglicheneren Artenvielfalt zu entwickeln. Die sehr langsamwüchsigen Glasschwämme allerdings, die einen Hinweis auf jahrhundertlanges ungestörtes Wachstum geben und die wir sogar unter dem ehemaligen Larsen A Schelfeis gefunden haben, fehlen hier fast vollständig.

 

Auch wenn dieses Gebiet weit von dem Larsen A/B entfernt ist, gibt es doch einen Bezug dazu. Die Eisberge, die hier nämlich primär den flächendeckenden Schaden anrichten, stammen von dort oder von den südlich angrenzenden, heute noch intakten größeren Schelfeisgebieten.

 

Die weiteren Analysen werden zeigen, ob diese Störungen, wie in anderen Teilen der Antarktis, auch hier durch das Nebeneinander vieler verschiedener Wiederbesiedlungsstadien letztendlich zur Erhöhung der Lebensvielfalt beitragen.

 

 

 

Mehr zu "Census of Antarctic Marine Life"....

 

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