Friday, 31. August 2007

Zum Nordpol auf einer Eisscholle: Der Aufbruch

Autor: Jürgen Graeser

Jürgen Graeser in St.Petersburg

Graeser mit Kollegen

Ankunft in Fjederow

Bei einem Glas heißen Instantkaffee verfasse ich diesen ersten Blogeintrag. Der Monat ist praktisch zu Ende und eine Woche bin ich bereits unterwegs. So denke ich, ist es eine gute Zeit, dieses Webtagebuch zu beginnen. Jede Reise beginnt eigentlich schon lange vor der eigentlichen Abreise. Aber es würde den Rahmen dieses Tagebuchs sprengen, wenn ich die Vorbereitungszeit hier mit einschließlich wollte. Eine Woche Reisen gibt ohnehin schon genug Stoff zum Erzählen. Meine eigentliche Reise begann, nach einer Woche voll mit Vorbereitungen, Packen und letzten Interviews, am Samstag den 25.08.2007 in aller frühe. Ich fliege ab Berlin Schönefeld, und 100kg Gepäck reisen mit mir. Darunter auch eine professionelle Videokamera, mit der ich Aufnahmen für den RBB machen werde. Ich bin also gut beraten, schon frühzeitig am Flughafen zu erscheinen. So bleibt genug Zeit, all das Gepäck einzuchecken und das Übergewicht zu bezahlen. Als kleine Überraschung erscheint noch meine Kollegin Siggi um mich zu verabschieden und mir persönlich einen kleinen Talisman als Glücksbringer zu übergeben. Naja, vielleicht will sie auch nur sicher gehen, dass ich wirklich abreise. ;-) Angekommen in St. Petersburg, mein Gepäck ist Gott sei Dank vollständig angekommen, die erste böse Überraschung... Keine Gepäckwagen am gesamten Flughafen. Stück für Stück und in übersichtlichen Etappen bekomme ich die Sachen dann doch zum Taxi.

 

Im Taxi, auf dem Weg zum Hotel quer durch die ganze Stadt, fällt der ganze Trubel erst mal von mir ab. Und ich realisiere erst mal so richtig wo ich bin und was ich eigentlich zu tun gedenke. Einschneidend wird mir bewusst, dass es von nun an kein zurück mehr gibt. Wenig später am frühen Abend treffe ich zwei meiner künftigen Kollegen. Wir sitzen am Neva Ufer, tauschen Neuigkeiten und Ideen aus und trinken ein paar Bier. Wir sehen uns dann zur Abreise am Montagmorgen am AARI (dem russischen Polarforschungsinstitut) wieder.

Das übliche Aufbruchchaos
Zu viele Leute und Gepäck für nur einen Transporter und einen Reisebus. Aber letztlich kommt dann doch alles und jeder mit. Am Flughafen wird es dann richtig lustig. Die Expedition erfährt keinerlei Sonderbehandlung, d.h. Passagiere und Gepäck werden normal abgefertigt. So sind wir dann 4 Stunden lang damit beschäftigt, all die unzähligen Gepäckstücke durch drei Sicherheitskontrollen bis zum Abfertigungsschalter zu schaffen. Einen Überblick hat keiner mehr. So kann nur jeder hoffen, dass auch jede Tasche, Beutel oder Koffer auch wirklich ins Flugzeug kommt. Und große Überraschung... Bei unserer Ankunft in Tiksi ist dann auch alles da.

Tiksi, das ist ein ziemlich öder Ort im fernen Sibirien. Nichts desto trotz hat auch dort alles seine Ordnung. Und unser Gepäck wird selbstverständlich erst zum Flughafengebäude, welches noch aus den 50er Jahren stammt, gefahren dort überprüft und eingelagert. Und dies, obwohl der Helikopter, der uns zum Schiff bringen soll, direkt neben unserem Flugzeug steht. So wird dann auch jeder Helikopterpassagier genau registriert und jedes Gepäckstück peinlichst gewogen bevor es wieder zurück aufs Flugfeld geht. Wir haben großes Glück mit dem Wetter, es ist ruhig und die Sonne erstrahlt am blauen Himmel. So ist der Überflug zum Schiff fantastisch. Am Nachmittag muss der Helikopterbetrieb allerdings wegen Nebels eingestellt werden. Die letzten Passagiere kommen erst nach Mitternacht an Bord. Und dann geht es auch schon los.

 

Ich habe Glück, ich wohne im Mannschaftsdeck, bekomme jedoch eine Kabine für mich alleine. Was durchaus unüblich ist... So kann ich mich dann mit meinem Computerkram ausbreiten und auch in der Kammer arbeiten. Allerdings bedarf es eines 1-stündigen intensiven Einsatzes von Wasser, Seife und Schrubber um die Kammer einigermaßen bewohnbar zu machen. Ansonsten gestaltet sich der Schiffsalltag recht einfach. Man geht zu den täglich vier Mahlzeiten, die auch sehr einfach sind, und tut ansonsten die Dinge die noch zu erledigen sind. Mit der Heimat bin ich übrigens per Iridium Satelliten Telefon verbunden. Damit sind normale Telefongespräche möglich und es lassen sich auch e-mails übermitteln. Zu diesem Zweck begebe ich mich zweimal am Tag auf das Peildeck (dies ist das oberste freiliegende Deck eines Schiffes), sieben Etagen über meiner Kammer, um eine Telefonverbindung herzustellen. Auf diese Weise ist auch dieser Beitrag per e-mail nach Deutschland übermittelt worden.


Fotos: Jürgen Graeser


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