Sunday, 22. February 2009

Neumayer III ist fertig:

Autor: Gert König-Langlo

Impressionen aus der Sicht eines Observatoriums-Betreuers

Neumayer-Station

Start eines Wetterballons

Mast-Bestückung

Anfang Januar 2009 erreichte ich zusammen mit 2 Fachkollegen die Baustelle der neuen deutschen Antarktisforschungsstation Neumayer III. Unsere Aufgabe bestand darin, in ihr ein neues Meteorologie-Observatorium aufzubauen ohne den laufenden Betrieb des bisherigen Observatoriums der immer tiefer im Schnee versinkenden Vorläuferstation Neumayer II zu unterbrechen. Jahrelange Vorbereitungen lagen bereits hinter uns und eine spannende Arbeit vor uns.

Die Ankunft war etwas ernüchternd. Der Neubau glich einem Ameisenhaufen. Die Fassade wurde erst vor wenigen Tagen fertiggestellt und bot innen den endlich lang herbeigesehnten Schutz vor den gefürchteten antarktischen Schneestürmen. Wärme fehlte jedoch noch, denn der Stationsgenerator, welcher mit seiner Abwärme die gesamte Station heizen sollte, war noch nicht in Betrieb. Es gab zwar schon "Baustrom", aber für den Betrieb unserer Computer und sensiblen Instrumente taugte er nicht. Wasser war nicht in den Leitungen, desto mehr allerdings in allen Ritzen aus denen der hinein gedrungene Schnee so langsam herausschmolz.

Die Außenarbeiten konnten jedoch gleich in Angriff genommen werden. Den Mast der Meteorologie galt es mit Wind-, Feuchte- und Temperatursensoren zu bestücken. Direkt daneben wurden umfangreiche Instrumente zur Erfassung der Strahlungs-Energieflüsse von Sonne, Himmel und Schneeoberfläche installiert, denn Neumayer ist seit 1992 ein wichtiger Bestandteil des "Baseline Surface Radiation Network" - ein Netzwerk im Dienste der Klimaforschung. Auch die Installationen auf dem Dach waren während der Rohbauphase möglich. Ein Wolkenhöhenlaser und ein Sichtweitenmesser bekamen ihren Platz neben der Wetterballonfüllhalle. Als I-Punkt auf der Halle kam ein großer Radom mit einer Antenne für den Empfang der Bilder und Daten von Wettersatelliten. Schließlich ist Neumayer für die Wettervorhersage der gesamten Nord-Antarktis zuständig.

Zeitgleich entwickelte sich der Rohbau zu einer immer wohnlicheren Behausung. Der Stationdiesel brachte die lang ersehnte Wärme, unterbrechungsfreien Strom, die Schneeschmelze erzeugte Wasser und die Küche nahm ihren Betrieb auf. Das Bauteam wohnte in einem Baucamp nahe der Baustelle. Wir hingegen noch auf der 6 km entfernten Station Neumayer II tief unter der Schneeoberfläche.

Früher hatten mir die fehlenden Fenster von Neumayer II nichts ausgemacht. Doch die Tage in dem wir das lichtdurchflutete Meteorologie-Labor der neuen Station einrichteten, führten dazu die alte Station als U-Boot zu empfinden. Es kam der Tag an dem Neumayer III die alte Station an Wohnlichkeit überholte und immer mehr Kollegen umzogen. Gebaut wurde nur noch an wenigen Ecken, die ersten Fenster geputzt und abends der Sonnenuntergang auf der erstaunlich warmen Galerie  zwischen der Innenstation und der Außenfassade genossen.

Während ich diese Zeilen schreibe sitze ich bereits in der völlig fertiggestellten Station. Ich bewundere die Baumannschaft, die es fertig gebracht, hat unter diesen widrigen Bedingungen termingerecht eine derart prächtige und hochkomplizierte Station zu errichten. Der Himmel vor mir zeigt nur noch einen dünnen rosa Streifen. Der Polartag ist lange vorbei und die Temperaturen sind auf unter -25°C gefallen: Gemessen vom neuen Observatorium das bereits seit 4 Tagen parallel zum alten misst. Alles funktioniert. Geschafft!

Zeit nach Hause zu fahren bevor es noch dunkler und kälter wird. Es gilt nur noch das alte Observatorium von Neumayer II abzubauen und dem hier verbleibenden 9 Überwinterer alles Gute für die erste Überwinterung auf Neumayer III zu wünschen.

 

 

Fotos: Gert König-Langlo


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