Thursday, 14. February 2008

Polarstern: Petrus meets Neptun…

Autor: Charlotte Lohse

Blick von der Brücke auf Polarstern in die aufgewühlte See

In Labor sind unsere Chemikalienflaschen gut verankert

So schön kann Polarstern bei Sonne sein!

 Leider mit schlechtem Ausgang. Jetzt grollen beide. Petrus tobt sich mit einem Sturm aus und Neptun liefert den Wellengang dazu. Und dazwischen sind wir mit unserer Polarstern, rollend und stampfend. Das sind die berüchtigten roaring forties.

 

Das Arbeiten an Bord wird schwieriger. Jeder versucht irgendwo einen festen Halt zu erwischen. Ausgefahrene Ellbogen sind da manchmal ganz hilfreich. In den Labors muss alles festgezurrt werden, Flaschen kippen bei diesem Wellengang gerne um. Besonders schwierig wird auch unsere Arbeit mit der Sauerstoff-Titration. Für diese Untersuchungen in Bezug auf die im Meer vorhandene Sauerstoffmenge müssen Lösungen exakt abgemessen werden. Bei der unfreiwilligen Eigenbewegung keine einfache Sache.

 

Zur Zeit sitze ich auf meiner Kammer, meine Beine fest um ein Tischbein verankert und schreibe auf einem seekranken, schaukelnden Notebook. Jeder 3. Versuch, den richtigen Buchstaben zu treffen, geht daneben. Bei einem Blick aus dem Fenster erblicke ich abwechselnd Wasser oder Himmel. Hinter mir in der Nachbarkammer rutscht rhythmisch ein Glas von der einen zur anderen Regalseite und unsere an der Garderobe hängenden Rettungswesten machen mit scheuernden und knarrenden Geräuschen auf sich aufmerksam.

Heute Mittag in der Messe mussten wir einen weiteren Scherz Neptuns erdulden. Er hob unser Schiff einseitig an, so dass Stühle, Gläser, Bestecke und auch wir auf die andere Seite flogen. Nachdem wir aufgeräumt und die Tische wieder trockengelegt hatten, verkeilten wir uns neu und konnten weiter Essen.

Mittlerweile sind die Leisten an den Tischen der Messe hochgefahren und die Untertassen weggeräumt, man würde sie wohl auch nicht mehr treffen, geschweige denn antreffen.

 

Als Landratte mache ich zur Zeit ständig neue Erfahrungen, Gott sei Dank nicht in Bezug auf Seekrankheit. Beim Duschen läuft das Wasser nicht geradewegs in den Abfluss, sondern verteilt sich je nach Schiffsbewegung im ganzen Bad. Ein „Deich“ vor der Badezimmertür schützt unsere Kammer vor Überflutungen. Schuhe sollte man leicht erhöht hinstellen, da sie ansonsten zu Treibgut werden. Wenn man lange genug wartet, schafft es das Schiff durch schaukelnde Bewegungen das Wasser tatsächlich in den Abfluss zu befördern.

 

Die letzte Station wurde aus wettertechnischen Gründen etwas vorverlegt. Bei dieser Schiffsbewegung ist es nicht unproblematisch, die Rosetten für die CTD auszubringen. Hohe Wellen können im ungeeigneten Moment die ganze Apparatur  gegen die Schiffswand schlagen lassen und so zu unüberschaubaren Schäden führen.

Solche Sturmtage sind für den Fahrtleiter neben unserem unfreiwilligen Aufenthalt in Kapstadt ein weiteres Ärgernis. Da die Expeditionsdauer nicht verlängert werden kann, müssen Stationen gestrichen werden und das ist für alle Beteiligten unerfreulich. That´s life.

Wir bewegen uns hier in den unangenehmeren Breitengraden und haben seit Kapstadt nur ein weiteres Schiff gesehen. Die G. O. Sars, ein norwegisches Forschungsschiff, kam uns vorgestern  mit Kurs auf Kapstadt entgegen. Die meisten anderen Schiffe meiden diesen Bereich, es gibt für sie auch keinen Grund, sich so weit südlich zu bewegen.

 

Diese Nacht ist (war?) eine weitere Station geplant. Unter anderem soll ein weiterer PIES an Bord geholt und ausgesetzt werden. Für mich zur Zeit unvorstellbar.

 

Fotos: Charlotte Lohse

 

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