Monday, 29. January 2007

Rätselhafte Schnabelwale bei den Südlichen Shetlandinseln

Autor: Meike Scheidat & Gauthier Chapelle

Walbeobachtungen mit einem Helikopter erwiesen sich als eine besonders effiziente Technik, um die kaum bekannten Schnabelwale zu identifizieren und so unser Wissen über ihre geographische Verbreitung zu vergrößern...

Haben Sie schon von "Ziphiidae" gehört? Dieser Fachbegriff bezeichnet
die Gruppe der Schnabelwale, Verwandte der Delfine, die zu der
rätselhaftesten Familie der Wale gehören. Schnabelwale sind die größten
unter den Walen. Im Südlichen Ozean variiert ihre Größe von fünf
Metern, den kleinsten unter ihnen, bis zu dem zehn Metern langen
Schwarzwal. Trotz ihrer enormen Größe sind die 20 Arten immer noch kaum
bekannt. Manche von ihnen wurden bisher noch nie lebend gesehen und die
meisten Informationen über ihre Biologie erhielt man aus Untersuchungen
gestrandeter Exemplare. Schnabelwale leben in kleinen, flüchtigen
Gruppen in tiefen Gewässern. Sie ernähren sich von Tintenfischen, die
sie während ihrer langen Tauchgänge schnell in ihr Maul saugen.

Schnabelwale kann man nur schwer von einem Schiff identifizieren. Sie
verbringen die meiste Zeit unter Wasser und dadurch sieht man sie kaum
an der Oberfläche. Um die Sache noch schwerer zu machen, sehen sich die
20 Arten auch noch sehr ähnlich. Manche sind nur anhand der Vorderzähne
bei männlichen Erwachsenen zu unterscheiden!

In den letzten zwei Monaten haben Dr. Meike Scheidat und Linn Lehnert
vom "Forschungs- und Technologiezentrum Westküste" in Büsum,
Luftbeobachtungen von Walen und Robben vom deutschen Forschungsschiff
Polarstern aus durchgeführt.

"Diese Technik erwies sich als besonders nützlich für Schnabelwale. So
bald etwas gesichtet und als Schnabelwal identifiziert wurde, wurden
die Piloten langsamer und positionierten sich so über dem Tier, dass
man es gut unter der Wasseroberfläche sehen konnte," erklärt Meike
Scheidat.

Die ersten Schnabelwale, die vom Helikopter aus gesehen wurden, war
eine Schule Schwarzwale. Eine der beiden Arten, die man typisch rund um
die Antarktis findet. Zusätzlich zu dieser Beobachtung wurde eine Reihe
außergewöhnlicher Bilder von dieser selten zu sehenden Art gemacht.

"Der Helikopterpilot musste schnell handeln, wenn wir ein Tier
gesichtet hatten, denn wenn sie sich gestört fühlen, tauchen sie ab, um
ihr Ruhe zu haben," fügt Linn Lehnert hinzu.

Die vorsichtigen Manöver erlaubten nicht nur Informationen über die
Gruppengröße und das Verhalten aufzunehmen, sondern auch hoch
aufgelöste digitale Fotos zu machen. Die Auswertung der gut sichtbaren
Details auf den Bildern, wie die Vorderzähne, erlauben die
Identifikation der einzelnen Arten.

"Am 25. Dezember, während einer Beobachtung des tiefen Wassers entlang
der Schelfkante von Elephant Island, sahen wir drei verschiedene
Schnabelwalarten auf einem einzigen Flug! Da fingen wir wieder an, an
den Weihnachtsmann zu glauben," berichtet Meike Scheidat begeistert.

Wenn sie noch nicht überrascht genug waren eine Schule Entenwale zu
entdecken, der Fund von Layard-Walen und Camperdown-Walen war ein
wirklicher Schock. Beide Arten sind sehr selten auf See identifiziert
worden, und zusammen mit ein paar unveröffentlichten Daten wurde diese
Beobachtung am südlichsten Punkt ihrer geografischen Verbreitung
gemacht.

"Diese außergewöhnlichen Beobachtungen können mit diesem besonderen
Lebensraum verknüpft werden. Aber ich bin überzeugt, dass wir
möglicherweise eine neue Methode für die Zukunft gefunden haben um die
Schnabelwale zu beobachten," schließt Meike Scheidat ab.


Text: Meike Scheidat & Gauthier Chapelle
Bild: Meike Scheidat

 

 

 

Mehr zu "Census of Antarctic Marine Life"....

 

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