Monday, 21. January 2008

Polarstern: Wetter und Gefühle wechselhaft

Autor: Brigitte Ebbe, Senckenberg

Die Stimmung ändert sich auf dem Schiff. Im Treppenhaus hängen Zettel mit einem seitenfüllenden roten Ausrufezeichen, die denen, die schon öfter auf der Polarstern waren, wohl bekannt sind. Sie kündigen Termine fürs Einpacken und das Abliefern der Pack- und Frachtlisten an. Ach ja, die Packlisten, wo waren die denn nochmal... Nach 54 Tagen auf See sind manche Realitäten des Lebens in den Hintergrund getreten, denn wir leben hier in einer kleinen Welt für sich, trotz Email und täglich bereitgelegten Nachrichten aus dem Internet. Der Wettergott war uns bisher gnädig, die Polarstern schwankt nur ganz sachte im gekräuselten Wasser, und obwohl heute morgen Schnee auf den Decks lag, kommt oft genug die Sonne heraus und lockt diejenigen, die nicht im Labor sein müssen, an die frische Luft.

 

Vor zwei Tagen bot dieses wechselhafte Wetter uns ein einzigartiges Schauspiel. Etwa eine halbe Stunde lang bewunderten wir einen flammend roten Sonnenuntergang mit nahezu klarem Horizont- die Geschichte vom grünen Blitz machte wieder einmal die Runde. In unmittelbarer Nähe des Schiffes aber gingen Schneeschauer nieder, und die Flocken brachen das Licht, so dass ein unirdischer, beinahe endzeitlicher Schein entstand, durch den die Sonne langsam unter den Horizont glitt. Wir sind jetzt immerhin schon so weit im Norden, dass es ein paar Stunden lang dunkel ist.

 

Gespräche auf den Gängen enthalten jetzt schon öfter solche Worte wie „Flughafen“ oder  „Fahrtbericht“. Gedanken, nicht nur meine, wenden sich dem Zuhause zu, das wir vor so vielen Tagen hinter uns gelassen haben. Aber ein Blick in die Labore zeigt auch, dass die Stationsarbeit noch in vollem Gange ist, um in diesen letzten Tagen noch so viele Daten wie möglich zu sammeln.

 

Fotos: B. Ebbe

 

Weitere Infos zur Polarstern-Expedition ANT-XXIV/2...


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