Polarstern: Blauer Himmel, blaues Meer und blaue Blitze
So habe ich mir den antarktischen Sommer immer vorgestellt: die Sonne strahlt von einem blauen Himmel, das unergründliche Wasser hat einen wunderschönen Blauton und wir sind umkreist von Eisbergen der unterschiedlichsten Formen.
So stehe ich auf dem Arbeitsdeck früh morgens um 7 Uhr, während ich darauf warte, an die Reihe zu kommen. Die CTD mit den 24 Flaschen, die alle in unterschiedlichen Wassertiefen geschlossen wurden bis zum Meeresgrund, der hier über 5000 m tief liegt, ist ein heiß begehrtes Gerät unter Ozeanographen und Biologen.
So nehme ich Proben aus den verschiedenen Tiefen, um den Chlorophyllgehalt der verschiedenen Wassertiefen bis 200 m noch hier an Bord bestimmen zu können. Zusätzlich nehme ich Proben, damit später zurück am AWI der partikuläre organische Kohlenstoff (particulate organic carbon, POC) der Wasserschichten bis zum Meeresboden gemessen werden kann. Dies sind wichtige Basisinformationen, die jeder Biologe braucht, der sich mit dem Leben der Tiere in der Wassersäule beschäftigt.
Vor mir jedoch dürfen die Chemiker ihre Proben nehmen. Sie messen den Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt des Wassers. Damit ihre Proben nicht verfälscht werden durch in die Flaschen nachziehende Luft, haben sie absoluten Vorrang.
Wenn ich alle meine Probenflaschen gefüllt habe, kann ich in mein Labor gehen, wo zwei Filtrationsgestelle bereit stehen. Ich schalte die Pumpen an, die ein Vakuum erzeugen, damit das Wasser schneller durch die sehr feinen Filterplättchen fließt und warte bis die vorgegebene Wassermenge durchgelaufen ist. Manchmal bekommt man auch bei dieser recht meditativen Aufgabe ein Highlight zu sehen. Ein blauer Lichtblitz entfährt dem Filter, als ich ihn falte, um ihn für die weitere Verarbeitung in ein Röhrchen zu stecken.
Dieses Licht, Biolumineszenz genannt, stammt von einem Copepoden, einem winzigen Ruderfußkrebs. Stehen sie unter Stress, produzieren sie dieses Licht. Gestresst habe ich ihn in der Tat. Neptun möge mir verzeihen.
Fotos: B. Ebbe, Senckenberg
< zur�ck zur �bersicht