Freitag, 01. Februar 2008

Polarstern: Zwischen den Welten

Autor: Angelika Brandt, Universität Hamburg

Wie meine Kollegin Myriam gestern berichtete, hat das große Einpacken auf Polarstern begonnen. Einige Gruppen sind bereits fertig, andere sind noch dabei die letzten Expeditionskisten zu füllen und ihre Gerätschaften in Containern zu verstauen. Überall wird geputzt und geschrubbt oder am Fahrtbericht gearbeitet, oder es werden Poster über unsere wissenschaftliche Arbeit für den Ministerempfang auf Polarstern am 5.2.2008 erstellt.

 

Mit jeder Kiste und jedem Seesack, die in den Containern verschwinden, verändert sich das Schiff. Es wird so langsam in seine Ausgangsform zurückversetzt. Für uns bedeutet es jedoch auch, dass unsere Spuren und die besondere Stimmung, die diese Expedition ausgezeichnet hat, und die durch die Zusammensetzung unserer verschiedenen Gruppen geprägt war, sukzessive von dem Schiff verschwinden. Polarstern wird mit unserem Fortgang und der neuen Besetzung der Wissenschaftler ein anderes Schiff sein. Die Labore und Kammern werden nach den Bedürfnissen des nächsten Fahrtabschnittes anders eingerichtet und dekoriert werden, und Polarstern wird für weitere 2.5 Monate das zu Hause anderer Kollegen und Kolleginnen werden.

 

Unser Fahrtabschnitt zeichnet sich dadurch aus, dass verschiedene Projekte im Internationalen Polarjahr an Bord zusammenarbeiten. Das ist ja bereits in anderen Tagebucheintragungen dargestellt worden. Jedes Projekt hat zwar auch seine eigenen, originären Ziele, aber wir versuchen durch die Zusammenlagerung der Puzzelsteine unserer Erkenntnisse herauszufinden wie das südpolare Ökosystem funktioniert. So soll z. B. unser IPY Projekt SYSTCO helfen, die Rolle der Tiefsee des Südozeans im globalen Energiehaushalt, deren Funktion beim Klimawandel und beim Erhalt der biologischen Diversität aufzuklären. Dieses Ziel kann nur in Zusammenarbeit mit den Sedimentologen, Biogeochemikern, physikalischen Ozeanographen, Planktologen, Untereisforschern und der „Top-Predator-Gruppe“ erreicht werden. Daher sind wir froh, dass das Forschungsschiff Polarstern und das Internationale Polarjahr uns diese Möglichkeit eröffnet.

 

Auf diesem Fahrtabschnitt ging aufgrund von schwierigen Eisbedingungen und den logistischen Anforderungen allen Forschergruppen Zeit für das wissenschaftliche Programm verloren. Dennoch zeichnet sich schon jetzt ab, dass sich die ersten Ergebnisse, die wir durch die Wassersäule bis zum Meeresboden erhoben haben und uns in den abendlichen Vortragrunden präsentieren, hervorragend ergänzen und gegenseitig erklären. Auch wenn unsere Ziele nicht alle erreicht werden konnten, diese Expedition hat wieder einmal gezeigt, welches Potenzial in der interdisziplinären und internationalen Forschung liegt. Wir haben viel gelernt. Wir haben gelernt, dass diese Zusammenarbeit notwendig ist, um Kopplungsprozesse zwischen der Meeresoberfläche und dem Tiefseeboden zu analysieren. Wir haben aber auch gelernt wo wir nachbessern müssen, welche Disziplinen fehlen oder welche Geräte verbessert werden müssen. Auf jeden Fall haben wir festgestellt, dass wir – in dieser oder ähnlicher Zusammensetzung der Wissenschaft – unsere ersten Ergebnisse ausweiten und auf Polarstern zurückkehren müssen.

 

Liebe Polarstern, wie kommen bald wieder!

 

Fotos: A. Brandt

 

Weitere Infos zur Polarstern-Expedition ANT-XXIV/2...


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