Saturday, 26. January 2008

Polarstern: ... und eine letzte lange Nacht.

Autor: Nils Brenke, Senckenberg

Hallo, und einen guten Morgen. G�hn ... ich bin's mal wieder, Nils. gääähn... Wir hatten eine lange Nacht hier an Bord von FS Polarstern, gefolgt von einem kalten, nassen und stürmischen Morgen. Jetzt ist es elf Uhr, ich bin durchgefroren, mein Magen rebelliert etwas gegen den Seegang und ich bin seit 27 Stunden auf den Beinen. Na ja, so ungefähr. Aber ich sollte die Geschichte vom Anfang an erzählen.

 

Wir sind auf unserem Rückweg, auf einer Station auf  52° südlicher Breite. Auf dieser Station waren wir auch schon vor zwei Monaten und hatten Proben genommen. Und nun auf dem Rückweg nehmen wir an der gleichen Stelle wieder Proben, um zu sehen ob sich in der Zwischenzeit etwas verändert hat.

 

Am Abend des gestrigen Tages hatten wir noch mal alle Feinheiten der vor uns liegenden Geräteeinsätze abgesprochen. Und dann ging es auch schon los. Der erste Multicorer wurde von uns auf 3000 Tiefe abgelassen, um Sedimentkerne für die Sauerstoff-Analysen und andere Untersuchungen zu holen. Und während wir die Probennahme überwachten, konnten wir sehen, das die Windgeschwindigkeiten langsam ansteigen. Dann folgte spät in der Nacht um zwei Uhr noch ein Großkastengreifer und ein weiterer Multicorer.

 

Nach all den Wochen ohne Dunkelheit südlich des Polarkreises habe ich mich richtig gefreut, dass eine Nacht wieder eine Nacht und dunkel ist. Und obwohl wir seit Tagen einen wolkig-bedeckten Himmel hatten, die Luft noch immer kalt und das Wasser eisig ist, und uns ein neuer Sturm bevorsteht, hatten wir plötzlich für einige Stunden einen sternenklaren Himmel. Und dann hat das Mondlicht die Wellen in ein weiches, schwarz-silbriges Licht getaucht, so dass die Meeresoberfläche wie das Schuppenkleid einer großen Echse aussah. Unendlich viele kleine, glänzende Schuppen auf einer sich sanft bewegenden schwarzen Decke. Wirklich schön.

 

Um vier Uhr morgens brachten wir dann den Epibenthosschlitten an seinem 4500 Meter langen Kabel zu Wasser und dann auf den Meeresboden. Und während wir wieder warteten, ging die Sonne auf, über einer rauen See. Eine lange Nacht und ein schöner Morgen. Viele von uns sind unausgeschlafen, nass und kalt und die Müdigkeit lässt uns im rauen Wind schnell frieren. Und da der Wind sehr stark zugenommen hat, setzt der Seegang mir und einigen anderen gehörig zu.

 

Die Arbeit, die wir hier machen kann ziemlich anstrengend sein, besonders wenn Wind und Wellen gegen uns sind. Das gehört zu unserer Arbeit dazu. Aber wenn die Natur um uns herum so schön ist wie in dieser Nacht, die Sonne wieder aufgeht und Wind und Wellen kraftvoll tanzen, dann freuen wir uns und werden für viel Unannehmlichkeiten entschädigt. Und auch wenn wir müde und fertig sind, in diesen Momenten wollen wir sicherlich keine andere Arbeit machen.So, und jetzt gehe ich ins Bett.

 

Fotos: N. Brenke

 

Weitere Infos zur Polarstern-Expedition ANT-XXIV/2...


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