Freitag, 16. November 2007

ANDRILL: Wechsel der Arbeitsgruppen

Autor: Rainer Lehmann

Seit einer Woche haben wir Lehrer die wissenschaftlichen Arbeitsgruppen gewechselt und unterstützen nun andere Disziplinen. Ich wechselte zu den sogenannten Curatoren. Das bedeutet, an den geflaggten Stellen am Kern Proben zu nehmen, zu katalogisieren, zu verpacken und in die richtige Kiste zu legen. Das hört sich einfach an, ist aber in der Realität eine Aufgabe, die sehr viel Konzentration, Handfertigkeit, Sorgfältigkeit und Hintergrundwissen erfordert. Ohne die notwendige Ruhe sind schnell Fehler gemacht, die dann später sehr schwer ins Gewicht fallen können.

Zunächst muss man wissen, welche Art von Proben der jeweilige Wissenschaftler haben möchte, das heißt Menge, Tiefe und Ausrichtung der Probe. Die Proben werden genau markiert und alle Angaben in den Computer eingegeben. Das geht sehr schnell und die Eingabe erfordert höchste Konzentration. Denn wenn z.B. die Tiefe falsch eingegeben wird, werden die aus der Probe gewonnen Informationen eben auch falsch zugeordnet. Währenddessen wird der Kern an den Probenahmestellen schon mit einiger Lautstärke zersägt, was manchmal zu Verständigungsschwierigkeiten führt. Das Zersägen muss gut überlegt sein und erzeugt zudem natürlich viel Staub. Auch ist die anschließende Zuordnung zurück in die Kernschalung teilweise nicht einfach. Dann erfolgt der Ausdruck von Aufklebern, die auf die Probebeutel geheftet werden, die Zuordnung der Beutel am Kern und das Eintüten der Proben. Vier Menschen arbeiten vier Stunden an den ca. 250 Proben, die jeden Tag anfallen.


Die ersten Vögel als Frühlingsboten

Nach dem Mittagessen ging ich über den Parkplatz vor der Kantine und regte mich innerlich  wieder über die vielen großen, geparkten Maschinen mit laufendem Motor auf (es ist ja nur noch -10 °C, kein Grund, Maschinen beim Mittagessen laufen zu lassen!).

Plötzlich höre ich ein ungewohntes, krächzendes Geräusch neben mir, das ich zunächst nicht zuordnen kann. Aus Gewohnheit - der Mensch ist neugierig - blicke ich nach rechts zum Boden, in die Richtung, woher das Geräusch kam. Und da sehe ich zwei Vögel am Boden, zwei grau-braune Möwen! Ich blieb sofort stehen und sagte ihnen, wie schön es ist, sie hier zu sehen. Tatsächlich freue ich mich unheimlich, zwei lebendige Wesen - die keine Menschen sind - zu sehen und zu hören. Die ersten Tiere seit über fünf Wochen. Es sind Skuas (Stercorarius antarctica), die als Raubmöwen an den antarktischen Küsten ihr Unwesen treiben. Mir wird wieder klar, wie faszinierend das Erleben der belebten Umwelt, genauer gesagt der Wildtiere für mich ist.

Die Vögel sind überhaupt nicht scheu, einer kommt sogar bis auf 50 cm an mich heran und pickt - wie etwas verlegen - kleine Schneekörner auf. Es ist wie Weihnachten. Eine wundersame Begegnung, wenn die beiden sich nicht gemeldet hätten, wäre ich glatt an ihnen vorbei gelaufen.

 

Fotos: Rainer Lehmann

 

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