Polarstern: ,,Nach drei Jahren Dunkelheit – ANT238-5 taucht wieder auf!’’
Heute wurde es für uns Verankerungsleute ernst, die erste der vor drei Jahren ausgelegten Verankerungen sollte heute geborgen werden. Üblich waren bis jetzt immer nur zwei Jahre und entsprechend war die Spannung doch deutlich zu spüren. Kann doch in drei Jahren vieles passieren, was die erfolgreiche Wiederaufnahme möglicherweise verhindert. Das kann zum Beispiel ein Versagen des Auslösemechanismus sein, welcher dafür sorgt, dass sich die Schnur mit den Messinstrumenten von den Gewichten am Grund löst. Ein anderer Grund ist eventuell auch der ,Fischbiss’, wo ein Seil durchgebissen wird, der darüber liegende Teil der Verankerung aufschwimmt und unauffindbar abgetrieben wird. Die Erleichterung war deshalb groß, als sich der Auslösemechanismus auf unser Signal meldete und nach 10 Minuten die ersten der orangefarbenen Auftriebskörper gesichtet wurden. Wie auch bei den PIES ( siehe den Blog von Charlotte) gab es für die erste Sichtung vom Fahrtleiter die Flasche Sekt für das beste Augenpaar. Wenn man bedenkt, wie groß der über Jahre erfolgte Aufwand ist, um solche Messsysteme im Ozean zu installieren und vor allem auch den hohen materiellen Wert der Geräte in Betracht zieht, dann ist eine erfolgreiche Bergung, erst recht eine nach drei Jahren, ein Grund zum feiern. Unter den Blicken vieler kamerabewaffneter Beobachter, lief dann auch das an Bord Holen im wahrsten Sinn des Wortes wie am Schnürchen. Das kilometerlange Seil wurde mit Hilfe einer Winde direkt aufgerollt, wobei die in den verschiedenen Tiefen deponierten Geräte dann abmontiert wurden. Obwohl es die erste Verankerung dieses Fahrtabschnitts war, wirkten die beteiligten Wissenschaftler und Besatzungsleute gut aufeinander eingespielt, hier zeigt sich wohl die jahrelange Erfahrung der einzelnen Akteure. Meine Aufgabe bestand darin, die Geräte in Empfang zu nehmen, mit Süßwasser zu reinigen und die Geräte zum Auslesen der während der drei Jahre im Dunklen aufgezeichneten Daten vorzubereiten. Das Auslesen und Überspielen auf den Computer war im Falle von zweien der Geräte schon erfolgreich, morgen klappt das dann bei den anderen hoffentlich genauso gut.....
Somit waren wir also schon guter Dinge, als dann nach der Aufnahme über Bordlautsprecher von der Brücke die Durchsage ,,Wale an Steuerbord, ganz nah!’’ kam. Jeder, der sich von seiner Arbeit entfernen konnte, kam dann in den Genuss, drei Buckelwale zu beobachten, die etwa eine Stunde um das Schiff herumschwammen und tauchten, Dabei kamen sie so nahe an die Bordwand, dass wir ihr Blasen laut hören konnten. Die wie auch andere Walarten vom Aussterben bedrohten Meeressäuger werden 14-19m lang und sind dann zwischen 30 und 45 Tonnen schwer. Die Buckelwale haben ihren Namen von auf ihrem Kopf befindlichen, kleinen, knollenartigen Verdickungen, die für uns auch gut zu erkennen waren. Ich habe es genossen, der kleinen Gruppe zuzuschauen und als sie sich dann von uns entfernten und ihr Blas, d.h. die Gischt, die über ihrem Atemloch beim Ausatmen entsteht, nicht mehr zu sehen war, kam so etwas wie Abschiedsstimmung auf, denn Besuche dieser Art sind in den hiesigen Breiten keine alltäglichen Ereignisse.
Fotos: Stefan Theisen
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