Polarstern: Und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt...
In meinem letzten Reisebericht habe ich noch großspurig davon erzählt, dass wir voraussichtlich Dienstag die Ostküste von Grönland erreichen werden. Das muss ich inzwischen revidieren. Ein Teil einer Schiffsmaschine, eine Nockenwelle, ist kaputtgegangen. Ohne diese Nockenwelle können nur drei der vier Maschinen arbeiten. Ein Nachteil, den man wenn irgend möglich, im Packeis vermeiden möchte.
Wir steuerten also die norwegische Stadt Bergen an. Da das Ersatzteil erst nach Bergen eingeflogen werden musste und erst am Sonntag in Bergen verfügbar war, dümpelten wir von Freitag Abend an mit geringer Geschwindigkeit vor uns hin. Am Sonntag Morgen startete der Hubschrauber von Bord der Polarstern und war kurz darauf mit den ersehnten Ersatzteilen wieder da. Nach der langen Warterei ein (für mich) enttäuschender Anblick: Etwa 30x20x10-Zentimeter war das Paket nur groß, das als Trophäe aus dem Hubschrauber getragen wurde…
Praktisch noch während des Landeanflugs des Hubschraubers an Deck hatte die Polarstern ihre Fahrt Richtung Ostküste Grönland mit voller Kraft bereits wieder aufgenommen. Das Erreichen der Küste von Grönland wird nach dem unfreiwilligen Zwischenstopp jetzt für Mittwoch prognostiziert.
An Bord ist das große Warten ausgebrochen. Alles fiebert dem Beginn der eigentlichen Forschungsarbeit entgegen. Man vertreibt sich die Zeit durch Tischtennis spielen oder im Windschatten auf dem Helideck in der Sonne liegen. Da es wissenschaftlich bis jetzt nicht viel zu berichten gibt, kann ich ein wenig über die wirklich wesentlichen Dinge an Bord berichten. Die Küche ist so gut wie ihr Ruf (unglaublich!). Bereits zum Frühstück gibt es alles, was man sich nur vorstellen kann: Marmelade, Honig, Nutella, Müsli, frische Brötchen, die verschiedensten Wurst und Käsesorten, Pfannkuchen, Spiegeleier, Rührei… Wer noch nie zum Frühstück Gänseleber oder Schaschlik-Spieße gegessen hat, sollte unbedingt mal eine Expedition auf der Polarstern buchen. Der Tagesablauf wird im Wesentlichen durch das Essen bestimmt: 7.30 Uhr Frühstück, 11.30 Mittagessen, 15.30 Uhr Kaffee, 17.30 Uhr Abendessen. Mir scheint, man will uns durch übermäßige Nahrungszufuhr bei Laune halten (was an sich gar nicht nötig wäre). Der Wiegeclub, eine Spezialveranstaltung an Bord, findet immer sonntags statt. Jeder der daran teilnimmt, wird in der Maschinenwerkstatt gewogen und muss eine Prognose für die nächste Woche abgeben: Zunehmen, Abnehmen oder Halten (+/- 500 Gramm). Wer mit seiner Voraussage daneben liegt, zahlt 50 Cent in die Kasse ein und das Geld kommt der Kinderkrebsklinik der Uniklinik Rostock zugute.
Hier kommt die zweite Frage unseres Arktis-Quizes (PDF 458KB). Viel Spaß beim Lösen.
Henning Pulz
Fotos: Henning Pulz, Heidehof-Gymnasium, Stuttgart
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