Polarstern: Tiefseekamera für Anfänger
Was für ein herrlicher Tag! Ich bin zum ersten mal an Bord der FS Polarstern auf dem Weg in die Antarktis. Das ist großartig und spannend - ein echtes Abenteuer. Wir haben starken Seegang, es ist bewölkt und windig. Aber das macht nichts. Ich habe ein nettes kleines Labor im Bauch des Schiffes bekommen, das genau richtig ist für meine Arbeiten. Ich betreue auf dieser Fahrt die Tiefseekamera. Mit dieser Kamera werden wir Aufnahmen des Ozeanbodens in bis zu 5000 Metern Tiefe machen. Die Bilder werden uns dann einen Eindruck von der Sedimentbeschaffenheit und von der Menge der Tiere in der Tiefsee geben. Ich freue mich auf diese Arbeit, die ich zum ersten mal mache und bin gespannt auf die Bilder. Jetzt mache ich mich voller Energie an den Zusammenbau und die ersten Testaufnahmen der Kamera und ..... Sie funktioniert nicht!
Hm ... mal sehen. Nein, das war es auch nicht. Noch mal die Betriebsanleitung studieren, jetzt zum ersten mal richtig. Ja, soweit scheine ich alles richtig gemacht zu haben. Strom stimmt, Spannung auch, Netzstecker sind eingesteckt und ..... Sie funktioniert nicht! Nach einigen Stunden des Herumprobierens und des Beratens mit meinen Kollegen funktioniert die Kamera .... immer noch nicht. Aber aufgeben ist nicht! Verbissen arbeite ich bis tief in die Nacht und kann das Problem eingrenzen auf einen kleinen Stecker mit Wackelkontakt und wenn man daran wackelt funktioniert die Kamera .... auch nicht!. Grrr ... Übermüdet und frustriert falle ich ins Bett.
Früh am nächsten Morgen bekomme ich fachkundige Unterstützung vom Bordelektroniker der Polarstern. Ich erkläre das Problem, schalte die Kamera ein und ... Sie funktioniert nicht! Wäre auch ein Wunder gewesen. Nach weiteren langen Stunden, einigen hundert mal einschalten und ausschalten, Schaltpläne lesen und resignieren, Relais überprüfen, Platinen zerlegen und verzweifeln, Widerstände auswechseln, Kontakte polieren und schwarzsehen, haben wir das Problem langsam eingegrenzt (also eigentlich der Elektroniker, ich bin nämlich Biologe). Wir löten noch eine letzte mögliche Verbindung neu, und ... Sie funktioniert! Die Kamera funktioniert wieder. Es dauert dann noch bis spät in die Nacht bis ich die Steuereinheit der Kamera wieder zusammengebaut habe. Nun, nach mehr als 48 Stunden bin ich recht müde und endlich wieder guter Laune.
Neben den Aufgaben die vor uns liegen, ist eines der besten Dinge an Bord die Zusammenarbeit. Seeleute und Wissenschaftler bilden ein Team, und helfen sich gegenseitig wo immer es nötig ist. Nur so können wir hier auf der Polarstern unsere Projekte und somit die Expedition erfolgreich durchführen.
Und ich verstehe von Strom und Spannung jetzt sehr viel mehr als vorher.
Fotos: M. Schüller, Universität Bochum und G.Veit-Köhler, Senckenberg
< zurück zur Übersicht